Akt 1: Schwesternliebe

Aus Athenia
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Vorgeschichte

Im Dorf Sain lebte die Familie Conda. Abgelegen am Rand des Dorfes besaß die Familie einen großen Hof mit zahlreichen Tieren. Besonders berüchtigt waren die Condas für ihren wundervollen Honig, der weit über die Grenzen von Sain hinaus bekannt war. Die Familie bestand aus Eureka Conda (dem Familienoberhaupt), seiner Frau Marzius Conda und den beiden Töchtern Seraphine und Lila Conda. Schon in jungen Jahren war Seraphine fasziniert von alten Gemäuern, Geschichte und Ruinen. In der Umgebung von Sain gab es viele alte Kriegsruinen und Höhlen, die sie immer wieder aufs Neue erkundete. Lila hingegen war die Starke der Familie und unterstützte ihre Eltern tatkräftig.

Eines Tages begab sich Seraphine in den Bearwood Forest, der sich am Fuß des Aramengebirges erstreckte. Der Wald war noch wild und unerschlossen, nur vereinzelt hatten sich Holzfäller und Jäger am Rande niedergelassen. Seraphine hegte großen Respekt vor diesem Ort, doch gleichzeitig zog es sie immer wieder in die Tiefen des Waldes, um ihn zu kartografieren und zu erforschen.

Eines Tages stieß sie auf eine alte Ruine – eher eine gewaltige Mauer, die eine Höhle zu verschließen schien. Neugierig und entschlossen, einen neuen Entdeckungsort zu finden, bahnte sie sich ihren Weg durch die Mauer und trat in die Höhle ein. Diese war keine natürliche Formation, sondern ein sorgfältig ausgearbeitetes Bauwerk. Seraphine ging immer tiefer hinein, als ob etwas unsichtbares sie tiefer und tiefer zog.

Schließlich erreichte sie den innersten Raum der Höhle. Der Anblick, der sich ihr bot, war atemberaubend: Gold, Diamanten, edelste Gemälde und unzählige Schmuckstücke lagen auf einem riesigen Haufen vor ihr. Doch unter all diesen Schätzen war ein Artefakt, das sie besonders anzog – eine Perlenkette, die auf einem kleinen Sockel ruhte, nicht weit von ihr entfernt. Als sie sich der Kette näherte, überkam sie ein unbeschreibliches Verlangen. Sie konnte es kaum fassen – so besonders fühlte sich diese Kette in ihren Händen an. Ohne zu zögern, nahm sie sie und lief aus der Höhle. Sie wollte ihren Eltern sofort von ihrem Fund berichten.

Zuhause angekommen, stürmte Seraphine mit der Kette in ihr Zimmer. Vor dem Spiegel legte sie die Kette an und betrachtete sich fasziniert. So etwas Schönes hatte sie noch nie gesehen. Doch kaum hatte sie die Kette angelegt, veränderte sich etwas in ihr. Der Drang, ihren Eltern von dem Schatz zu erzählen, verschwand. Stattdessen trug sie die Kette fortan immer bei sich, aber versteckte sie in einem kleinen Beutel – um den Hals war sie zu auffällig, das wusste sie.

Die Tage vergingen, und irgendwann erwachte Seraphine eines Morgens mit einem seltsamen Gefühl. Sie fühlte sich schwindelig und erschöpft, obwohl sie gerade geschlafen hatte. Der Sonnenstrahl, der durch das Fenster fiel, schien ihr viel zu grell. Sie wälzte sich im Bett, als sie plötzlich etwas Rotes bemerkte. Ein Schwall von Blut hatte sich über die Bettwäsche verteilt. Es war, als hätte sie nicht nur das nächtliche Unwohlsein, sondern auch eine seltsame Dunkelheit in sich getragen. Der üble Geruch von Verwesung stieg ihr in die Nase. In Panik versteckte sie schnell die blutige Bettwäsche und legte frische Laken auf ihr Bett, ohne jemandem von dem Vorfall zu erzählen. Sie würde die schmutzigen Laken später waschen, so dass niemand etwas davon erfuhr.